Besuch in der Dunkelheit

Vor zwei Wochen verschwand das schwarze Kätzchen. Es gehörte der kleinen Lisa, die mit ihrer Mutter im sechsten Stock wohnte. Wie ein Wirbelwind tobte der süße Teufel im Treppenhaus auf und ab, wenn Lisa manchmal die Wohnungstür offen ließ. Doch auf ein Mal war das Kätzchen weg. Wie vom Erdboden verschluckt.

Schröder lehnte sich mit der vollen Wucht seiner zehn halben Liter gegen die Haustür und stocherte mit dem Schlüssel im Schloss herum. „Is so dunkel, ich seh´ nichts, mach mal Licht!“ Konetzke kramte sein Feuerzeug aus der Tasche und zitterte mit der Flamme neben Schröders Händen herum. Mit einem Knall sprang die Tür auf. Scheppernd schlug sie gegen die Wand, dass beinahe ihre Glasscheibe zu Bruch gegangen wäre. Schröder schmetterte gegen das Treppengeländer. „Au, Scheiße, bloß weil diese Assis im Suff immer die falschen Schüssel rein dreschen.“
„Heul nicht rum. Komm jetzt!“ Konetzkes brummender Bass mahnte zur Eile. Im ersten Stock roch es wie in einem Dritte-Welt-Flüchtlingsheim. Die Wohnungen bevölkerten drei Generationen einer einzigen Sippe. Der jüngste Sohn, 18-jährig, stand oft mit Schaffnerkelle und Trillerpfeife auf dem Balkon und jubelte über jedes Dampfross, das auf den nahen Gleisen der Kleinbahn ins Gebirge zuckelte. Zurückbleiben bitte…!
Ein Stockwerk höher wehte ein ähnlicher Wind. Es dominierte das Aroma abgestandener Socken gemixt mit dem Dunst zu lange getragener Unterhosen und dem kalten Nebel längst erloschener Polenzigaretten.

Wie es weiter geht, steht im Buch ALARMSTUFE WEISS...