Der Furz der alten Frau
Uns bleibt doch sonst nischt übrig

Ich starre aus dem Fenster. Alles dreht sich. Kopfschmerzen wie Vorschlaghämmer martern mein Gehirn. Mein Schädel ist viel zu eng für sie. Das Haus gegenüber schlingert. Die Wipfel der Bäume wiegen sich im Geistertanz. Autos fahren über die Wiese. Kinder lärmen auf der Straße. Ich pralle rückwärts gegen die Wand. Meine Hände tasten sich an der Tapete entlang. Im Bad wird mir schwarz vor Augen. Die Knie knicken ein wie Grashalme. Ich knalle auf den Fußboden. Hilfesuchend strecke ich meine Arme nach oben. Sie krallen sich am Waschbecken fest und zerren mich hoch, so wie eine Waschfrau ihre geschrubbten Laken aus dem Fluss zieht. Der Mann im Spiegel, nein, das bin nicht ich. So hat dich deine Mutter nicht geboren. Das ist ein anderer Mensch von einem anderen Stern. Das ist ein Zittauer!
Falten tief wie Canyons haben sich in die Wangen dieses Mannes gegraben. Haut so schuppig wie abbröckelnder Putz. Tränensäcke wie aufgeblasene Schläuche. Haare zerzaust wie Gestrüpp im Wintersturm. Plötzlich würgt ihn ein Brechen. Ihm ist, als schnürt ihm jemand mit einem Seil den Bauch ab. Wie ein Sterbender hängt er röchelnd über dem Becken. Nach einer Ewigkeit des Todeskampfes kommt der Fremde wieder zu sich. Wasser kalt wie Eis durchflutet seinen verdörrten Mund. Er hebt seinen Kopf. Im Spiegel sieht er flirrend die hämische Fratze des Teufels. Ja, du bist gefangen in dieser Stadt. Und du bleibst hier!
Ich trotte nach draußen an den Tag. Die Sonne brennt. Ich muss blinzeln. Der Wind streichelt mein geschundenes Wesen. Die Sinne kehren zu mir zurück. Langsam fasse ich Tritt. Ich erreiche das Kaufland, den Tempel der Lust all der sauber gedrillten Konsumsoldaten der Umgebung.

