Endlich richtiger Bohnenkaffee
Der feiste Herr mit Schnauzbart und Rechtsscheitel, der 1939 begann, Deutschland zu einem Weltweit-Monster aufzuplustern, war nicht nur ein Verbrecher sondern auch ein kolossaler Depp. Hätte er während seiner Jugendzeit in den Wiener Assi-Heimen mal lieber mehr Bücher über die deutsche Geschichte gelesen! Dann wäre ihm bereits damals klar geworden, dass es statt Kanonendonners von Wehrmächten und SS-Klassen ein viel einfacheres Herstellungsverfahren für ein planetenweites Deutschland gibt: Die Heirat der Vertreterin eines auswärtigen Herrscherhauses, das schon den halben Globus befehligt. Für die Erledigung der anderen Hälfte hätten ihm die Schwiegereltern im Gegenzug das Ausleben seiner Neigung zu herkömmlicher Eroberungstechnik gestatten können.
In so einer Kalkül-Ehe ist nicht mal unbedingt Geschlechtsverkehr nötig, da es dabei ausschließlich um Machtsicherung geht. Das wäre ihm bestimmt recht gewesen, denn laut Führerhauptrestaurator Guido Knopp konnte er sich nie zum finalen Schritt in den Schritt seiner braunen Eva entschließen.
Im Jahre 1840 führte ein Herr Albert von Sachsen-Coburg und Gotha vor, wie es richtig gemacht wird. Er heiratete damals Königin Victoria von Großbritannien. Fortan trug das britische Königshaus die Bezeichnung Sachsen-Coburg-Gotha. Erst 1917 änderte König Georg V. den Namen in Haus Windsor. Da tobte noch der erste Weltkrieg und der deutsche Name war dem Möchtegern-Engländer inzwischen zu peinlich. Trotz der Umbenennung blieb natürlich die deutsche Tradition im britischen Königshaus. Wenn Hitler ein paar Jahre später seine Bomber nach England schickte, griff er ein Land an, das unter deutscher Führung stand.
Das Fürstenhaus Sachsen-Coburg und Gotha als Vorläufer des heutigen Hauses Mountbatten-Windsor residierte im 19. Jahrhundert auf den Schlössern Friedenstein und Friedrichsthal zu Gotha in Thüringen. Damit ist klar: Kate Middleton heiratete am 29. April 2011 einen Ossi. Prinz William ist Ossi! Ob sie sich das gründlich überlegt hat? Typischen Ossis werden Führungsschwäche und ein Hang zur Jammrigkeit nachgesagt. Außerdem halten die Ehen mit Ostdeutschen nicht so lange – Männer dieser Herkunft lassen sich schneller scheiden. Dafür sollen sie handwerklich geschickter und patriotischer sein.
Das wäre von Vorteil, wenn es zum Beispiel darum gehen würde, verstopfte Klos auf Schloss Windsor wieder frei zu bekommen oder wenn die Kohlen für den Winter in den Buckingham-Palace zu schaufeln sind. Auch wird er sich nicht zu dämlich anstellen, falls unterwegs auf der Reise mit Kate in den Campingurlaub an die Ostsee oder an den Balaton beim Rolls Royce der Keilriemen gewechselt werden müsste. Und sollte mal der Bau einer Mauer anstehen, wird er dieses Projekt zuverlässig mit der Waffe in der Hand schützen.
Wie Kenner des Königshauses verlautbarten, bestand Prinz William zum Abendbrot am Hochzeitstage auf einfache Speisen. Essen, wie es ihm die Jana, seine Mutter, als Kind immer gekocht hatte. Zur Vorspeise entweder Würzfleisch mit Dresdner Worcestersauce oder ukrainische Soljanka. Beim Hauptgang konnten die Gäste wählen zwischen Steak au four, Steak Hawaii, Steak Letscho oder Steak mit Pilzen. Alles natürlich mit reichlich Bratkartoffeln und Rohkost-Sättigungsbeilage. Vegetarier mussten sich mit Goldbroiler zufrieden geben. Zum Nachtisch wurden wunderschöne gelbe Bananen serviert. Aber die Krönung – und darüber freute sich His Royal Highness am meisten: Endlich mal richtiger Bohnenkaffee! Ein Kännchen komplett – mit vier Stück Zucker und guter Sahne … Königlich!
Loti Kioske, Mai 2011
(Hinweis für den Bedenkenträger: Es handelt sich hier um Satire.)
