Frühjahrsputz im Bienenhaus
Nach einem langen, entbehrungsreichen Winter ist es für jeden Bienenliebhaber geradezu eine Pflicht, im Bienenhaus mal wieder nach dem Rechten zu schauen und zu kontrollieren, ob sich seine Immen für das kommende Jahr auch schön herausgeputzt haben. Und was so ein richtiger Imker ist, der darf den Zeitpunkt auch nicht verpassen, wo die Bienchen ihm den Stock säubern und die Blüten bestäuben wollen.
Im Verlaufe der letzten achtzehn Jahre siedelten sich in den tschechischen Wäldern jenseits der Grenze besonders einige osteuropäische Rassen an, derer sich die deutschen Imker bedienen. Es handelt sich dabei größtenteils um Vertreterinnen der „bienus ukrainsis“, „bienus slowakis“ und der „bienus russia“. Sie sammeln hauptsächlich Strapshonig, sind emsig und löcken nicht wider den Stachel.
Neulich nahm ich vor Ort an einem Workshop teil. Ich fachsimpelte zunächst mit den anderen anwesenden Imkern über die Vorzüge und Mängel der unterschiedlichen Rassen und Völker. Während der Gespräche streifte mein Blick eine besonders schnuckelige Arbeiterin gleich neben dem Flugloch. Und diese kleine freche Biene, die hieß Maja. Sie bemerkte mich sofort als ich ihren Namen rief. Schnurstracks flog sie zu mir herüber und schmierte mir Honig ums Maul. Gleichzeitig – summ summ summ – zog sie mir flink den Pollen aus der Brieftasche. „No money – no honey, mein Süßer!” belehrte mich Maja aufgeklärt und blickte in mein entsetztes Gesicht. In aller Aufregung erzählte ich ihr mit hochrotem Kopf das Märchen von den Bienen und dem Klapperstorch. Maja lachte mich aus und führte mich sogleich zu ihrem Lieblingsplatz: Den weichen Hügeln mit den sprießenden Knospen. Dann zeigte sie mir ihren Honigbär. Der machte gerade Urlaub tief im Süden ihres Körpers und räkelte sich dort lustvoll und frisch rasiert nach dem langen Winterschlaf.
Bei unserer gemeinsamen Erkundungstour geriet Maja regelrecht ins Schwärmen ob meiner ausgeprägten Liebe zur Natur und zur Imkerei.
„Komm bald wieder! Lass uns nicht im Stich!“ summte sie mir zum Abschied hinterher. „Nächste Mal wir wieder schleudern Honig bis Wabe kracht…“
Loti Kioske 2008
