Gastwirte auf dem Land, die wissen wie´s geht, veranstalten am Wochenende gerne mal Länderthemenabende.
Mein Freund Tilo vom Berggasthof Koitsche bei Zittau ist einer von ihnen.
Vor einigen Jahren kam es zu einer Neuseeland-Nacht.
Mein geistiges Auge sah damals den Ablauf dieser Maßnahme vorher.

Jeder Kiwi-Deutsche am Samstag auf die Koitsche!

Neuseeland. Zwei Inseln, auf denen Vulkanismus so alltäglich ist wie hierzulande Reifenservice. Wo Extremsport und Nonstop-Drinking eine bezaubernde Symbiose bilden und wo Kiwis nicht nur was zum Essen sind.
Am Samstag kommen nun Manfred, Gerd, Ursel, Traudel und all die anderen aus Grußschiene, Hurnz, Hersch- und Bertsdorf nach „Down under Koitsche“.
Endlich mal weit weg von zu Haus kann man beim Bauernfrühstück mit drei Eiern schön entspannt plaudern, zum Beispiel über Heinz seinen letzten Jet-Leck mit seiner Brigitte, das Kiwi-Angebot bei ALDI und ob die dort unten jetzt oh so viel Schnee gehabt haben wie mir hier.
Jürgen, der immer alles weiß, wird es wieder allen erklären und seine Heidi wird ihm nachher ins Ohr flöten:
„Du bist mer schunn so äh richtscher Globetrottel oder wie das heeßt…“

Tipps zur Vorbereitung:

  • Anbringen der Nationalflagge Neuseelands unter dem Banner der Leopard-Discothek Eckartsberg.
  • Installieren einer Blechrinne am Fuße des Tresens gästeseitig. Gedacht zur unauffälligen Entsorgung diverser Papierabfälle, Zigarettenkippen und zum Auffangen plötzlichen Urinaustritts.
  • Verlegen von Lüftungsrohren von der Männertoilette direkt an jeden Tisch. Per Gebläse werden die Gäste so mit Luftmassen versorgt, wie sie bei neuseeländischen Schlammvulkanen anzutreffen sind. Inszenierung eines „Rotorua-Feelings“.

Ablauf:

Der Eintritt ist nur Personen gestattet, die sich an die vorgegebene Anzugsordnung (Dress-Kot) halten: Die Männer haben in karierter Holzfällerweste und mit scheißeverschmierten Gummistiefeln zu erscheinen, furzend und schon etwas angetrunken. Bei den Frauen genügt eine Dauerwelle und ein dümmliches
Lachen. Es braucht sich also niemand großartig zu verstellen oder umzuziehen.

Während der Veranstaltung ist auf den reichlichen Verzehr der für Neuseeland so typischen Getränke wie „Feldschlößchen“ oder „Müller Thurgau“ zu achten. Gäste, die sich nicht an den Gesprächen der anderen beteiligen beziehungsweise das nicht mehr können, haben von Zeit zu Zeit durch vernehmliches Rülpsen und/oder Furzen ihre fortdauernde Anwesenheit kundzutun.

Höhepunkt des Abends:

  • Freilassen einer Schar hyperaktiver Kea–Papageien, die der Zittauer Tierparkdirektor freundlicherweise zur Verfügung stellte. Die Vögel zwacken den Herren forsch am Gemächt und animieren sie so zur Durchführung von Maori-Tänzen.
  • Den Damen wird auch schon ganz heiß. Sie entledigen sich überflüssiger Kleidung und genießen ein Sonnenbad unterm Ozonloch an den eigens aufgestellten elektrischen Heizsonnen.
  • Im Hintergrund tönt Wolfgang Petri endlos: „Weiß der Geier oder weiß er nicht…“.

Ausklang: Bungee-Jumping von der Hörnitzer Mandaubrücke! Das sorgt für Spaß und den finalen Kick. So kann sich manch einer diskret oral von überflüssigen Speisen und Getränken trennen.
Auf dem Nachhauseweg freuen sich alle schon aufs nächste Mal. In welchem Land? Egal, Hauptsache, es wird wieder so schön wie heute…

Loti Kioske