König am Sonntag
Die Röcke der Mädchen waren schon wieder viel zu kurz als König am Sonntag das erste Mal in diesem Jahr durch das polnische Grenzdorf radelte. An den Marktbuden am Straßenrand schaukelten die Leibchen von Ballack, Schweinsteiger, Kahn und den anderen Helden des 2006-er Spiel-um-Platz-drei-Sommermärchens im Frühlingswind. Aus den Lautsprechern der CD-Verkäufer brüllten die BÖHSEN ONKELZ, Anastacia und Stars der deutschtümlichen Musik schwarz kopiert durcheinander.
Hinter den Buden lag die einzige Kneipe im Ort. König stieg ab und ging hinein. Er hatte Lust auf ein Bier mit seinem Kumpel Jazek, und Lust, die blonde Nina wieder zu sehen, die er vom vergangenen Sommer her kannte.
Am Tresen fragte er die Kellnerin, ob er das Fahrrad mit hinein bringen dürfe, denn er wollte später nicht zwei Drahtesel nach Hause schieben. “Keine Problemm.” lächelte ihm die Frau zu. “Hier ist sicher.” Er legte das Bügelschloss ans Hinterrad und schaute sich um.

