Liebeserklärung
(entstanden 2006 bei einem Schreibkurs im Kloster Nütschau zwischen Hamburg und Kiel)
Meine Liebste,
im März wird mein Traum endlich in Erfüllung gehen. Ich komme ins Kloster Nütschau und besuche den Schreibkurs. Doch das ist nur der Vorwand, um in deiner Nähe zu sein.
Nächtelang lag ich schweißgebadet einsam in meinem Bett in der Kleinstadt. Ich wusste weder ein noch aus. Das Verlangen quälte meine Sinne. Träume schlugen meine Seele blutig. Ich sah dich vor mir, ohne zu wissen wer du wirklich bist.
Neulich schreckte ich hoch aus meinem Schlaf als hätte mich der Blitz getroffen. In einer Eingebung hörte ich Bruder Jesus leise flüstern: In dem an St. Ansgar angrenzenden verwunschenen Gemäuer wohnt die verstoßene Schwester Nymphomanica, Hohepriesterin jungfräulicher Unersättlichkeit. Dein ganzes Streben soll nur dem einen Ziele dienen: Die dicken Mauern der Weltlichkeit zu überwinden, um vorzustoßen in den heiligen Gral der Nymphomanica, göttergleiche Sphinx des nördlichen Universums. So gehe hin und erlöse sie von ihrem Schmerz! Amen.
So werde ich am Donnerstage auf dich warten unter dem hohen Baume der Begierde. Demütig verlasse ich die Schäfchen meiner Herde. Zur Stunde der Dämmerung, wenn der Rabe drei Mal krächzt, wirst du mich entführen in dein Himmelreich. Ich stelle mir im Geiste vor, wie du erscheinst.
Du trägst ein feuerrotes Kleid, das sich an dich schmiegt wie der Traum an die Nacht. Deine Haare wallen an deinen Schultern hinab wie ein Wasserfall am Bergeshang. Deine Augen verzaubern meinen Verstand und schicken ihn hinfort. Deine Brüste wippen mir fordernd zu und treiben mich in den Wahnsinn. Deine Haut, zart wie das Sonnenlicht, kitzelt meine Lenden. Deine Hände, gierig wie die Wüste, die nach Wasser dürstet, verführen schmerzhaft den Süden meines Körpers. Deine Beine, lang wie das Leiden Christi, umschlingen mich wie eine Würgefeige. Im Sinnesrauschen erscheinet ein mächtiger Priesterstab, der sich zwischen uns stellt wie ein apokalyptischer Reiter am Tage des Jüngsten Gerichts. Sein Anblick lässt dich zittern und beben wie es sonst nur die Erscheinung des Leibhaftigen vermag.
Mit dem Mute der Maria und mit dem Vertrauen in den Allmächtigen führst du den Eindringling dorthin, wo sein Platz auf Erden, wo sein Zuhause ist. Im siebten Himmel lobpreiset dein Mund alsbald hinaus in die Welt der Sünder: Oh, oh, mein Gott, oh mein Gott!!
Voll Ehrfurcht halte ich inne im Fegefeuer unserer Liebe. „Höre, Liebste, verlasse nicht den Pfad der ewigen Wahrheit! Ich bin nicht Gott! Ich bin nur … wie Gott!“
Loti Kioske
