Shotover – Der nahe Tod
Ich ziehe meinen Rucksack aus dem Kofferraum des Toyotas und schleudere ihn mit Schwung über die Schulter. Unter der Gepäcklast schwankend tapse ich um die Hecke herum zum Eingang des Backpacker-Hostels. „Willkommen, mein Freund, ich heiße Marc.” Ein Zweimeter-Hüne, athletisch wie ein Zehnkämpfer, blonde Haare und stahlblaue Augen empfängt mich mit einem Siegerlächeln. Seine Muskelarme stützen den Oberkörper auf dem Tresen einer aus Holzbrettern gezimmerten Rezeption ab. „Bist du allein? Wie lange willst du bleiben?“ „Hello, ich bin Stefan.” keuche ich. “Eine Nacht erst mal.“ Marc schnappt sich einen Schlüssel vom Brett. Ich folge ihm in den ersten Stock. Knarrend schiebt Marc eine Tür auf. „Ist das okay?“ Sein ausgestreckter linker Arm zeigt in eine acht Quadratmeter-Nische. Tisch, Bett, Schrank. Ich nicke. „Dann bis heute Abend, da erzähl ich dir, was du morgen hier alles machen kannst.“ Ich nehme den Schlüssel, schiebe den Rucksack neben den Schrank, schließe die Tür und falle auf das Bett wie ein nasser Sack. Im Nu überwältigen mich Träume, die meinen bisherigen Neuseeland-Trip kunterbunt durcheinander wirbeln.
Stunden später weckt mich Getrampel und Stimmengewirr auf dem Flur.

